27. April 2010

Aberleben

Schon schlimm, schon schlimm die Welt. Aber man kann ja nicht immer klagen. Ging auch schon aufwärts, auch schon gut, und doch - irgendwie fehlt der Mut; zu sagen das hier, das ist nicht gut. Da wird gelogen und geschossen, geeifert und gehetzt, da platzen Bubenträume vor Bürotische und Mädchenträume fallen in Einkaufswagen. Da werden Schreie erstickt und niemand verstanden, wird zurechtgestutzt und ausgenutzt, wer nicht pariert, der landet auf dem Haufen, „schaut Kinder schaut, machts nie so wie der“, da brennen schon die Scheiter. Aber wir leben ja weiter. Aber die Sonne scheint und der Frühling kommt und die Vögel zwitschern vergnügt. „Aber so ist das eben, manchmal da leidet das Leben, doch bald wirst auch du wieder heiter.“ Vergessen die Sorgen, auf Heute folgt Morgen, die Tränen von gestern sind weg. Sicher ist es traurig, die Umwelt kaputt, die Tiere in Käfigen gefangen; auch wir, auch wir sind gefangen, Gefangene unserer eigenen Schöpfung, unserer törichten künstlichen Welt. „Aber hör zu, Kind, man muss es versuchen, versuchen zu übersehen.“ „Aber schau, es wäre ja auch nicht viel besser, würden wir noch in den Höhlen wohnen.“ So ist das, der Fortschritt verlangt sein Tribut, nichts ist umsonst, das war es noch nie. „Aber freue dich, Kind, es gibt so viel schönes, viel gutes und viel zu entdecken.“ Also vergessen wir, was wir da sehen und fühlen, die Tränen und Leiden, die höhnische Gleichgültigkeit der Zeit. Also träumen wir, träumen von einer Aberwelt.