27. April 2010

Mokaya geht

Mokaya sieht von dem grossen Felsen herunter auf das aufbrausende Meer und denkt an nichts, ausser daran, dass es auch schon schöner war, denn das Meer, der Sonnenuntergang, die Möven und der einsame Fischkutter draussen auf den Wellen, der tiefblaue Himmel, das weisse Glitzern auf dem pechschwarzen Wasser, die gelb leuchtenden Felsen, die sich der weissen Gischt entgegenstämmen und das grüne, satte Frühlingsgras, das sie einhüllt und an die Hügel bindet – dieses Bild, in dem Mokaya als schwarze Silhouette hinter dem knorrigen Viehzaun im Gegenlicht der Sonne steht, dieses Bild ist nichts ohne das Bild in Mokayas Kopf, und wenn er dort die Welt sieht, aus der er herkommt, diese künstliche Welt voller Ramsch und Kitsch und Lügen, dann ist auch das hier nur ein totes souvenir auf einer lächerlichen Postkarte, dann ist auch diese Welt tot, weil Mokaya tot ist, die Welt in seinem Kopf, die Bilder und Träume, totgemacht von lauter scheinbaren Notwendigkeiten, um möglichst nicht sich selbst zu sein, denn das, so sagen sie, dort, wo Mokaya herkommt, das ist Wohlstand und Fortschritt, das ist ein Leben zum Geniessen, ist Freude und Sorglosigkeit; und so liess sich Mokaya seine Bilder stehlen, liess sie ersetzen durch die Worte, die so verlockend klangen, und doch nur Worte blieben, denn sie waren tot; und so steht er nun auf dem grossen Felsen und sieht hinunter auf das Meer, das kein Meer mehr ist, sondern Farben und Kontraste, weiter nichts, und Mokaya steigt hinab um zu sterben.